ed2murrow

Europa ist mitten unter uns

Momentaufnahme Deutschland – Politik, Dauerhaft

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Autokraten haben ja so ihre Façon, mit den Unwägbarkeiten des Daseins fertig zu werden. Da gibt es welche, die ihre Kindheitsphantasien mit Eimerchen und Schaufelchen im Sand ausleben. Das nennt sich dann zum Beispiel „Dubai City“. Die notwendigen Mittelchen stapeln sie nach dem Vorbild einer bekannten Ente in privaten Tresoren, die sinnigerweise Staatsbanken heißen oder  Lybian arab foreign investment company (Lafic) oder Dubai World.

 Dubai 1990           Dubai 2005 
  (Dubai 1990)                                                                       (Dubai 2005)
                                        
(Dubai final planning) Dubai final planning

 

Freilich gibt es immer tragische Gestalten. Den zweiten Ludwig von Bayern hatte die Leidenschaft in Stein und Mörtel so sehr gepackt, dass er recht unvermittelt pleite ging. Und doch hatte dieser relativ Gesündere seiner Linie eigentlich den richtigen Riecher gehabt. Spätestens seit den Zeichentrickkulissen aus Cinderella wissen wir: Neoromantische Folklore lässt sich bestens exportieren, mit  Markenzeichen versehen und durch zahlende Gäste reimportieren. „Neuschwanstein statt Versailles“ heißt es nun zu den beliebtesten Reisezielen in Europa laut jüngsten Erkenntnissen der Deutschen Tourismuszentrale.

 Neuschwanstein                Disney Schloß

Für gewählte Politiker ist alles ungleich schwerer. Kaum Visionen („wer Visionen hat, sollte lieber gleich zum Arzt gehen“, Helmut Schmidt) und wenn doch, meist wenig Zeit, sie umzusetzen. Vom wenig verfügbaren Geld, das zudem vorweg genehmigt werden muss, ganz zu schweigen. Was für ein Lichtblick muss es da sein, wenn jemand antritt, dessen Wurzeln fast so weit zurückreichen wie die der Wittelsbacher und überhaupt ein „gutes Standing“ hat: Finanzielle Unabhängigkeit, fescher Auftritt, Atlantik-Brücke, Aspen-Institut?

Wer hat an der Uhr gedreht …

Keiner, denn Lichtgestalten verbreiten stets so viel Schatten, dass sie/er akkurat ausgeleuchtet sein wollen. Stellt sich heraus, dass das Ergebnis von Talentsuche in Parteien- statt Feudalpatronage dort getrickst hat, wo sich einst Scholaren selbst Titel und Attribute ausbedungen haben, um eine „eigene Tradition und Geschichte in der althergebrachten Beständigkeit von Rechten als Legitimationsgrund“(1) zu begründen, ist Feuer unterm Dach, zumal eines Hohen Hauses. Fakultäten übergreifend.

Fussnoten und Geschichte (c) Magda Geissler, https://www.google.com/profiles/madge1946

Wer Ständepolitik plastisch vorgeführt bekommen wollte, konnte sie vergangene Woche in Deutschland verfolgen. Dass wir sie überwiegend nicht so empfunden haben, liegt an einem: Walter Elias Disney, genannt Walt. Ist nicht er dafür verantwortlich, dass statt Midas es nun Dagoberts sind, die Dukaten häufen? Oder in puncto Resort das „Disney World“ vor den Toren von Paris nunmehr neue Maßstäbe gesetzt hat? Ganz zu schweigen davon, dass Cinderella schon 1950, neben Ludwigs Mo(nu)mentum und in bester Tradition des „Film Noir“, in kühlen Farben die ganze Palette zwischen Religion, bösen Stiefverwandten und sozialen Ängsten ausgewalzt hat?

                                              Primus von Quack         Daniel Düsentrieb

Machen wir uns nichts vor. Auch Akademikern wird das Schicksal des Primus von Quack (166 Doktorhüte, 92 Staatsexamen) nicht erspart bleiben, der seinen Platz Machern wie Ing. Daniel Düsentrieb überlassen muss. Und gegen räuberische Fürsten, ob aus Monaco, Scheherazades Gefilden oder dem mittleren Franken werden keine Weiss-, sondern nur noch Bücher des Fähnlein Fieselschweif helfen. Ehrenwort von Karl Marx …. ähm: Carl Barks. e2m

 

 

(1) Jens Blecher, „Vom Promotionsprivileg zum Promotionsrecht, Das Leipziger Promotionsrecht zwischen 1409 und 1945 als konstitutives und prägendes Element der akademischen Selbstverwaltung“, Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie (Dr. phil.), abgerufen unter http://sundoc.bibliothek.uni-halle.de/diss-online/06/06H046/prom.pdf am 26.02.2011
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Written by ed2murrow

28. Februar 2011 um 20:46

Veröffentlicht in Deutschland, Kultur, Politik, Uncategorized

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Eine Antwort

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  1. Schöööne Bilder, die saaagen etwas; natürlich, der Text hilft, sonst kaum Bedeutung. Die Fußnoten hätten wegen mir auch anders bebildert werden können bei diesem Freizeitspaziergang in Berlin.
    Ich habe, für diese ‚Demo‘, von lila Schuhen gelesen. — Aber das ist nur mein Tribut an meinen VfL. – gerne gelesen & mit gewinn, rainer, rainer kühn

    rainer kühn

    1. März 2011 at 19:45


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