ed2murrow

Europa ist mitten unter uns

Fundament, die Grundlage

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     Erst heute morgen habe ich den Blog „Glaube, Liebe, Häme“ von Maxeiner und Miersch gelesen. Bekundungen der letzten Tage zu „(Christlicher) Fundamentalismus reloaded“ legten  nahe, der von mir gewählte Titel sei unglücklich oder beruhe auf Ignoranz.

     Wenn, wie Maxeiner/Miersch es belegen, die Umarmung der Vertreter großer Religionen so innig ist, dass man den der jeweils anderen für zu sich selbst gehörig empfindet, so kann das ein Zeichen echter Ökumene sein, was nicht grundsätzlich falsch wäre. Man käme z.B. darauf, dass sich sowohl die katholische Kirche als auch der überwiegende Teil der islamischen Welt darin einig sind, dass es einen heiligen Krieg nicht gibt, ehemaligen u.s.-amerikanischen Präsidenten oder sog. Dschihadisten zum Trotz.
     Oder man hält es anders, etwa mit Jörg Lau, der im Januar 2007 zum Abschluss des schweren Konflikts um die sog. Regensburger Rede des sechzehnten Benedikt schreibt („Muslime umarmen den Papst“): „Es mag sein, dass die Regensburger Rede, statt den Kulturkampf anzufeuern, wie es zunächst schien, am Ende die erstaunlichsten Allianzen schafft. Einem liberalen Protestanten kann bei diesen Aussichten allerdings recht mulmig werden.“ Was, mit anderen Worten, bedeuten kann, das Monopol darauf, was als heilig oder unheilig anzusehen sei im Rahmen schierer Machtausübung, bliebe den etwas größeren Glaubensgemeinschaften vorbehalten.
     Eine dritte Lesart wäre, die Kontroverse so zu hinterfragen: „Vielleicht dient der Hype um Herman auch dazu, zu suggerieren, daß rechtskonservatives/rechtes Gedankengut in den Medien thematisiert und verurteilt wird, während die tatsächlichen Geschehnisse am rechten Rand verschwiegen werden.“ Womit wir den Dialog der Texte hätten, in dem das sog. rechte Gedankengut, das die Reaktionen von Herman et al. schlicht als „bigott“ bezeichnet mit/gegen ein sog. linkes streitet, das darin eine Ablenkung sehen will. Auch davon, dass ggfs. Islam ebenfalls rechts und bigott sein könnte.

     Die erstaunliche Konsequenz ist, dass bei dem Schreiben über die Autoren aus dem Blick fällt, über welche Art von Botschaft man sich eigentlich unterhält. Denn ironischer Weise müssten wir uns über straf- bzw. zivilrechtliche Folgen des Fehlverhaltens von Menschen gar keine Gedanken machen, folgten wir der These, dass „eventuell ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen haben, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen.“ Gegen einen Gerichtsvollzieher vom Jüngsten Gericht gibt es kein irdisches Gesetz.
     Statt auf Ironie könnte man aber darauf achten, welcher Diskurs in den letzten Monaten nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa in Atem gehalten habt: Die Bekleidung des weiblichen Körpers.  Frau Herman: „Viele Mädchen haben den Busen blank gezogen, manche sind fast völlig nackt. Sie wiegen sich in ekstatischer Verzückung.“ Die „letzten Anstandsnormen“ sind die, bekleidet zu bleiben, keinen Busen zu zeigen. Sollte man sagen: In Sack und Asche zu gehen? Am besten in schwarz, bodenlang, nur die Augen frei lassend? Das ist nicht rechts, das ist nicht links, es ist nicht einmal bigott, sondern praktische Umsetzung von ein paar tausend Jahren alten Schriften, ganz ohne Exegese.

     Wer diese Art von roll-back will, bitteschön. Ich werde das weiterhin Fundamentalismus nennen und seine Attribute in Klammern setzen. Und ganz bestimmt nicht erst darauf warten, dass der nächste Irre meint, deswegen Krieg führen zu dürfen.

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Written by ed2murrow

30. Juli 2010 um 13:14

Veröffentlicht in Deutschland, Kultur, Politik

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