ed2murrow

Europa ist mitten unter uns

Fundstück zu: Andrea Camilleri

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Irgendwo habe ich in den letzten Tagen gelesen, dass ein Roman von Camilleri ins Deutsche übersetzt worden ist: Rowohlt hat dabei wieder einmal alle Werbekanäle angetrommelt. Aber diesmal dürfte es sich lohnen. Denn erstens ist es kein Montalbano-Roman, also nicht mit dem Sizilianisch durchsetzt, das schlicht unübersetzbar ist, und wenn doch der Versuch unternommen wird, der Wortwitz arg danebenliegt. Zweitens eine Kulturreise zwischen Caravaggio, Mafia und dem zeitgenössischen Theatermenschen Camilleri, der hier ganz hinterfotzig ein Tagebuch inszeniert, eine Art one-man-piece durch etliche Jahrhunderte. Ich hoffe, dass, auch wenn  Sizilianisch nicht vorkommt, der oder die Übersetzer das, wie nenne ich es? Mittelhochitalienisch eines halben Analphabeten aus dem 17. Jhd. einigermaßen treffend widergibt. Oder ein passendes Surrogat findet. Die Farbe der Sonne nennt es sich, oder: Il Colore del Sole. Im Original eines der besten Bücher Camilleris.

Cave: Ich kenne nur das Original, alles andere mögen man sich in der Buchhandlung quer anlesen. 

Aus dessen bislang Letztem, La Caccia al Tesoro, von 2010 (Sellerio editore Palermo), wieder und dem Himmel sei Dank ein Montalbano, ich gerne zitiere:

(Wie erklärt er sich, dass weniger gestohlen wird?)
„Er sagt, dass die Diebe, die unsrigen, die aus den Häusern der kleinen Leute stehlen oder aus dem Täschl von einer Frau, sich schämen.“
„Warum das denn?“
„Wegen der größeren unter den Kollegen. Wegen der Industriellen, die die Firma in Konkurs schicken, nachdem sie das Geld der Sparer haben verschwinden lassen, der Banken, die immer einen Weg finden, ihre Kunden zu verarschen, der großen Unternehmen, die öffentliches Geld stehlen. Während sie, die Ärmsten, sich mit zehn Euro begnügen müssen, mit einem kaputten Fernseher … Sie schämen sich, und es vergeht ihnen die Lust.“

In Dialekt geschrieben und dem Volk aufs Maul geschaut. Ich könnte es in meine Mundart übertragen, bezweifle aber, dass es mittlerweile mehr Kenner des Bajuwarischen als des Sizilianischen hierzulande gibt. Es bleibt beim Imperfekten, wie es jeder ist, der versucht, Kriminalstatistiken zu interpretieren.

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Written by ed2murrow

20. Juli 2010 um 16:50

Veröffentlicht in Fundstueck, Italien, Kultur

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