ed2murrow

Europa ist mitten unter uns

Fundstück zu: Michela Vittoria Brambilla

with 3 comments

Das Ausmaß, mit dem Auslandsmedien nicht nur aus wirtschaftlichen (etwa wegen der Konkurrenz von Murdoch: Nicht ganz umsonst ist The Times unter den scharfzüngigsten gegen Berlusconi in Europa, beide liegen derzeit wegen der Neuordnung der TV-Rechte in Italien im harten Clinch), sondern aus machtpolitischen Gründen einem Monitoring  unterliegen, veranschaulicht der Corriere della Sera in einem heutigen online-Artikel[1].

Michela Brambilla, Ministerin für Tourismus, fiel in der Vergangenheit auf, weil sie Finalistin für die Emilia Romagna von „Miss Italia“ war. Das war 1986 und sie erst 18. Sie fiel auch auf, als sie bei einer öffentlichen Veranstaltung für die Carabinieri im Juni 09 den „römischen Gruß“ vom Podium herab vollführte. Und das war ganz und gar nicht ein irgendwie missglücktes Winken in die Menge, da war sie bereits Ministerin und sich ihrer Rolle durchaus bewusst. Wenn diese Frau also damit in Zusammenhang gebracht wird, dass Sie eine Task-Force zur Imageverbesserung Italiens in der Welt im Ministerium zusammenstellt, dann wird man sich schon Fragen stellen wollen. Vor allem, wenn Sie mit folgenden Worten zitiert wird: „[Die Task-Force befasst sich] Mit zwei Aufgaben: Erstens: Die gesamte ausländische Presse überwachen, Tageszeitungen, Periodika und Fernsehen, auf jedem Breitengrad, von Japan bis Peru“. Zweite Mission: „Diese Redaktionen mit Tatsachen und positiven Mitteilungen bombardieren.

Fragen  zu stellen ist in Italien derzeit nicht sehr ratsam, man riskiert dabei Millionenklagen wegen Verleumdung. Aber sich selbst Antworten zu geben.

 

[1] http://www.corriere.it/politica/09_ottobre_12/cavalli_9ffbfc42-b6f2-11de-b239-00144f02aabc.shtml, erfasst am 12.10.2009

ausgegeben in: Fundstueck

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Written by ed2murrow

12. Oktober 2009 um 15:56

Veröffentlicht in Fundstueck, Italien, Politik

3 Antworten

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  1. Hallo ed2murrow,
    weshalb verhält sich Europa in diesen Angelegnheiten so merkwürdig still? Hat die Kommission, das Parlament, der Rat auch schon die Hosen voll vor Berlusconis Medienmacht oder verfolgen sie dort die gleiche Politik. Sonst schauen sie doch auch bei allen möglichen „Wettbewerbsverletzungen“ doch auch genau hin und zetern und klagen.Und wenn Berlusconis Vorgehen nicht eine Wettbewerbsbehinderung, eigentlich ein (drohender) Schlag gegen die Pressefreiheit ist, was ist sie dann?

    hardob

    13. Oktober 2009 at 21:54

    • Sehr geehrter hardob,
      Europa beschäftigt sich sehr wohl mit dem Thema. In den zwei vergangenen Wochen lief eine Debatte im Europäischen Parlament zur Pressefreiheit in Italien. Zwei Anträge der EVP, die Debatte und die Beschlußfassung dazu von der Tagesordnung abzusetzen, sind dabei knapp gescheitert. Medienkommissarin Viviane Reding hat in ihrer Stellungnahme vom 8. Oktober darauf hingewiesen, dass man nicht der Versuchung unterliegen solle, die europäischen Institutionen zu instrumentalisieren, um Fragen zu behandeln, die von den nationalen Regierungen beantwortet werden müßten und sie zu Aufgaben zu berufen, die nicht einmal im Vertrag von Lissabon vorgesehen sind. Die „Einmischung in fremde Angelegenheiten“ bzw. „in die inneren Angelegenheiten eines Staates“ steht da ganz gross und kantig im Raum.
      Es sollte eher gefragt werden, warum deutsche Medien die erodierende Wirkung Berlusconis und seiner Politik die ganzen Jahre über nur stiefmütterlich behandelt haben und lediglich punktuell einen Hype feiern: Wenn er einmal in die Schranken gewiesen wird oder wenn er mit Frauen ins Bett steigt. Auf vielen Seiten wird seit langer Zeit schwerpunktmäßig Afghanistan als Thema präsentiert. Nicht die EU, nicht die EU-Mitgliedstaaten, nicht das eigene gemeinsame Haus. Warum, möge jeder für sich beantworten.

      ed2murrow

      14. Oktober 2009 at 08:42

      • Vielen Dank für die Antwort. Ohne Sie, wüsste ich wirklich weniger über die Verhältnisse in dem von mir geliebten Italien. Ich bin sonst auf die deutschen Meiden angewiesen angewiesen (mir fehlen leider ordenliche Sprachkenntnisse), die, wie Sie schon richtig schreiben, eher über sexuellen Firlefanz als am politischen Exzess der Berlusconi-Regierung berichten. Nur in ganz randständigen (Radio)Sendungen werde ich manchemal fündig. Also lann ich Sie nur bitten: Bitte weitermachen.

        hardob

        14. Oktober 2009 at 10:34


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